B I Z e p s

Beratungs - und Informationszentrum für Männer und Jungen

Psychosoziale Gesundheit


Die Beratungs- und Unterstützungsangebote beziehen sich auf Jungen und Männer aller Altersstufen.


Auf folgende Themen bezieht sich unser Beratungs- und Unterstützungsangebot:




Hintergrund

Männer stellen rund 2/3 aller Notfallpatienten.. konsumieren rund doppelt so häufig legale und illegale Drogen... haben eine rund 8 Jahre geringere Lebenserwartung... weisen eine drei Mal höhere Selbstmordrate als Frauen auf.


"Der frühe Tod des starken Geschlechts" (Klotz, Hurrelmann, Eickenberg) hat viele Ursachen. Nicht zuletzt sind auch männliche Rollenerwartungen und fehlende soziale Netzwerke als Immunisierungssysteme hier am wirken.



Die Sozialisation von Männern ist nach wie vor geprägt von einem unterscheidenden Rollenverhalten. Jungen werden im Gegensatz zu Mädchen eher zur Aktivität und einer Außenorientierung erzogen; soziale Verantwortung und Rücksichtsnahme sind eher Normen für Mädchen.


In seiner Identitätsfindung sucht der Junge nach Abgrenzung zum Mädchen. Das ist sinnvoll für seine Identitätsfindung. Wenn jedoch das `Pflegende´ nach wie vor als `weibliches´ Ressort (und `Tatkraft´ dementsprechend als männliche Orientierung) gilt, dann wird diese für Männer und Frauen gleichermaßen wichtige lebensgestaltende Fähigkeit auf das „Weibliche“ reduziert und in der  Konsequenz beim Mann ausgegrenzt. Wenn Jungen sich eher fordernd verhalten und Wert auf Status legen und darin verstärkt werden, wenn Mädchen sich eher kooperativ und unterstützend zeigen, um soziale Anerkennung zu bekommen und um in ihrer Geschlechtsrolle anerkannt zu sein, dann setzt sich das reduzierte Männer-/Frauenverhalten weiter fort und in der Identitätsfindung vom Jungen zum Mann wird damit alles „mädchenhafte“ /„weibliche“ abgelehnt oder als „homosexuell“ abgewertet.


Es ist nur folgerichtig, wenn sich eine Beratungsstelle, die sich für die körperliche und seelische Gesundheit von Männern und Jungen einsetzt, diese darin unterstützt:


·   Gefühle zu zeigen und ermutigt über Gefühle zu reden;

·   zu Fehlern zu stehen und zu deren Konsequenzen;

·   Körperlichkeit und Körperbezogenheit zuzulassen;

·   Kooperation anderen Männern anzubieten und zu lernen zu integrieren statt auszugrenzen;

·   Ohnmacht aushalten zu können und auf sofortige Lösungen zu verzichten;

·   Sensibilität und Einfühlungsvermögen  zu zeigen;

·   zuhören zu können;

·   pflegende Aspekte bei sich selbst zu fördern.


Dies alles sind menschliche Qualitäten, die einen Mann in der Kompetenz seiner sozialen Fähigkeiten erweitern und ihn zu einem guten Mitarbeiter oder Vorgesetzen und zu einem attraktiven Partner und Vater qualifizieren. Der Mann, der dies tut, stellt das menschliche Sein gleichberechtigt neben Leistung und Wertschöpfung. Gefühle und Körperlichkeit werden von ihm nicht mehr auf das „Weibliche“ abgespalten oder auf Homosexualität projiziert, sondern als männliche Stärke und Kompetenz  wertgeschätzt.


Wie bereits erwähnt sind Männer höher gefährdet an Herzversagen zu sterben, stehen unter beruflichem Leistungsdruck und sind zunehmend in Haushalt und Familie gefordert. Die alte Rolle des sich zurückziehenden einsamen Kriegers ist nicht mehr gefragt; doch die Statistiken zeigen, dass Männer nach wie vor selten zum Hausarzt oder zu Vorsorgeuntersuchungen gehen, um sich Hilfe und Unterstützung zu holen.


Die  Beratungsstelle für Männer und Jungen beansprucht die ganzheitliche Sichtweise des Mannes.  Sie stellt Gesundheit als ein wichtiges Gut in das Zentrum der Aufmerksamkeit, das es zu pflegen und zu erhalten gilt. Sie sieht Gesundheit nicht nur isoliert auf ein Individuum bezogen, sondern stellt Gesundheit in einen größeren Zusammenhang: wer die eigene Gesundheit pflegt, gibt auch der Gesundheit der ihm Anvertrauten, zum Beispiel der seiner Kinder,  einen größeren Stellenwert.


Ähnlich einem Frauenarzt, gibt es für Männer und Jungen einen Arzt für Männerfragen nur selten. In der praktischen Arbeit der Beratungsstelle für Männer und Jungen ist eine Kooperation mit einem Andrologen bzw. Urologen sehr sinnvoll.


Die  Beratungsstelle für Männer und Jungen soll einem Mann ein Ort sein können, an dem er sich über Partnerschafts- und Verhütungsfragen genauso informieren kann wie über die seelischen Zusammenhänge und möglichen innerpsychischen Konsequenzen einer Sterilisation oder über die psychologischen und organischen Zusammenhänge einer Impotenz. Er sollte ein Klima von Wertschätzung finden können, das ihn nicht auf destruktive Aspekte von Männlichkeit, wie zum Beispiel allein auf Gewalt, reduziert. In seiner Auseinandersetzung mit körperlichen Erkrankungen soll ihm die Möglichkeit einer Sichtweise der Wechselwirkung zwischen Lebensführung und Krankheit angeboten werden und kompetent an die entsprechenden Fachstellen weiter vermittelt werden.


Die Beratungsstelle für Männer und Jungen richtet ihr Augenmerk also auf gesundheitserhaltende Aspekte. So nimmt sie auch an prophylaktisch orientierten Infoveranstaltungen wie zum Beispiel den sogenannten „Gesundheitstagen“ teil,  oder arbeitet mit dem Gesundheitsamt, der Volkshochschule oder pro familia zusammen, mit Beiträgen über Sport, Ernährung, Partnerschaft und Sexualität.


(Aus; Ak Männer und Gewalt in Beziehungen: Konzeption einer Beratungsstelle für Männer und Jungen)